Ein Brief mit sieben Siegeln:
Immer weniger Menschen können ältere erhaltene Briefe und Schriftstücke aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch lesen. Dabei haben unsere Vorfahren ja noch ordentlich und sauber schreiben gelernt und die Qualität ihrer schriftlichen Hinterlassenschaften ehrt meist ihr Andenken. - Auch ältere Bücher, die in Fraktur oder – populärer – in „altdeutscher Schrift“ gedruckt sind, finden kaum mehr Abnehmer, weil es den jungen Leuten zuviel Mühe macht, diese merkwürdigen Buchstaben zu entziffern. Heute lernt man eben lieber chinesisch als sich mit den Hieroglyphen der eigenen Sprache zu beschäftigen.
Deutsche Schreibschrift
Erstmals 1714 wurde in Preußen durch einen Erlass eine Normschrift eingeführt, deren spitze, nach rechts geneigte Formen sich auch in anderen deutschen Territorien einbürgerten und charakteristisch für die deutschen Kurrentschriften wurden. Ludwig Sütterlin (1865–1917) war es, der diesen typischen Duktus der deutschen Kurrentschrift änderte. Er entwickelte – neben einer lateinischen – die deutsche Sütterlinschrift, die nun senkrecht auf der Zeile stand und Kringel ausbildete und nicht mehr spitz gestaltet war. Diese Schrift wurde 1924 in preußischen Schulen und erst 1930 in den meisten anderen deutschen Ländern als Schulausgangsschrift verwendet. 1941 wurden per Normalschrifterlass im Auftrag von Adolf Hitler alle gebrochenen Schriften, darunter auch die „Deutsche Sütterlinschrift“, abgeschafft und die auf Grundlage der lateinischen Sütterlinschrift entwickelte „Deutsche Normalschrift“ als Ausgangsschrift an den Schulen verwendet. So mancher, der vielleicht die Sütterlin-Schrift als „braune Erbmasse“ betrachtete, kann also in diesem Punkt beruhigt sein und sich unbeschwert mit diesem Thema befassen.
Alte Schrift wieder gefragt
Denn nun besinnt sich doch die eine oder der andere, kramt den alten, schönen Füller hervor und probiert und übt die Sütterlin- oder Kurrentschrift. Im Zeitalter von Laptop und SMS wirkt ja schon ein handgeschriebener Brief fast extravagant, wie erst eine in Sütterlin-„Geheimschrift“ verfertigte Textzeile. Das finden übrigens auch schon etliche Schüler geil !!
Entsprechend werden nun in etlichen Städten Kurse in Schönschrift an der Volkshochschule und Seminare zum Sütterlin-Lernen angeboten. Einige Senioren haben es dabei zu begehrten Experten und Übersetzern gebracht, die z. B. Familienforschern wichtige Unterstützung bieten.
Kurse
Hasso Mansfeld bietet an der Volkshochschule Bingen Sütterlin-Kurse an
Peter Möller leitet in Hamburg einen Workshop Alte Deutsche Handschrift (Sütterlin) (03868 / 258311)
An der Rostocker Universität sowie an der Volkshochschule Bad Doberan werden Kurse angeboten
Jana Zimdars gibt an der Volkshochschule Rostock Kurse
- und so wird es an vielen Orten sein. Gern nehmen wir hier Ihre Hinweise auf.
Die untenstehenden Verweise bieten Ihnen weitere Informationen zur Schrift.
Bund für deutsche Schrift und Sprache e.V.